
Dichtes Gedrängel in der S-Bahn. Es ist laut und heiß. Ein Handy klingelt, jemand rempelt uns an - und dann diese Gerüche! Jetzt wollen wir nur noch eines: die Füße hochlegen, durchatmen, Stille - einfach mal allein sein.
Intuitiv wissen wir, was gut für uns ist. Das bestätigt auch Diplom-Psychologin Ursula Wagner (48). Sie ist überzeugt, dass allein verbrachte Zeit der entscheidende Schlüssel ist, um seine stabile emotionale und körperliche Verfassung zu bewahren. Sie hilft, den Kopf frei zu bekommen und psychische Energie für die täglichen Anforderungen aufzutanken. Und: So erst haben Kreativität und Intuition den nötigen Spielraum zur freien Entfaltung.
Doch Achtung: Allein zu sein bedeutet nicht gleich, zur Ruhe zu kommen. Wir verbringen zwar beruflich wie privat immer mehr Zeit ohne andere Menschen - etwa am Computer, vorm Fernseher oder im Fitness-Studio. Aber das heißt noch lange nicht, dass wir dadurch zu uns finden. Wie wir es schaffen, uns ohne Ablenkung sinnvolle und erholsame Auszeiten zu gönnen, erklärt die Expertin.
Frau Wagner, Schweigeseminare im Kloster, Urlaub allein - immer mehr Frauen sehnen sich nach Rückzug. Woher kommt dieser Trend?
Die moderne Kommunikationsgesellschaft macht uns rund um die Uhr für andere ansprechbar, abrufbar, verfügbar. Viele Menschen fühlen sich mit der Zeit überfordert, fremdbestimmt und verspüren das Bedürfnis nach einem Gegenpol. Ein erster Schritt wäre z. B., einfach mal das Handy auszustellen.
Aber wir brauchen doch verlässliche soziale Beziehungen, um uns geborgen und geliebt zu fühlen.
Der Mensch ist ein soziales Wesen, stimmt. Damit er seine Persönlichkeit aber voll entfalten kann, braucht er regelmäßige Stunden nur mit sich selbst. Denn erst in der Stille und unzensiert vom Rest der Welt können wir wahrnehmen, was uns wichtig ist. Diese eigenen Werte sind unser Kompass fürs Leben - dem wir folgen sollten.
Viele haben das Problem, nicht allein sein zu können. Sie fühlen sich unwohl.
Ja - Alleinsein wird oft mit Einsamkeit gleichgesetzt. Dabei kann man sehr wohl allein sein, ohne sich einsam zu fühlen. Und man kann sehr einsam unter vielen Menschen oder sogar mit dem Partner sein. Alleinsein ist ein Zustand, Einsamkeit ein Gefühl. Und so seltsam es klingt: Wer vor dem Alleinsein flüchtet, der wird oft erst recht einsam. Die einsamsten Menschen, die zu mir in die Praxis kamen, gehörten nicht unbedingt zu den Einzelgängern. Es waren eher diejenigen, die ständig auf Achse und nach immer neuen Reizen, also Ablenkung, fast süchtig waren.
Welche Ursachen gibt es dafür?
Unsicherheiten über den eigenen Wert als Person oder tiefe Verlustängste sind häufig Gründe. Wenn uns in der Vergangenheit aus irgendeinem Grund das Gefühl von Geborgenheit verloren ging und wir uns verlassen fühlten, dann kann das Alleinsein unangenehm oder sogar erschreckend wirken. Niemand will etwas von uns, keine Aufgabe wartet - für viele ist das kaum auszuhalten. Denn: Fehlt die Ablenkung von außen, nehmen wir die Innenwelt wahr, und die kann dann trist erscheinen. Zum Glück lässt sich das Alleinsein aber gut lernen.
Kann man auch zu viel Zeit mit sich selbst verbringen?
Letztlich entscheidet das individuelle Bedürfnis über Dauer und Art dieser Zeit. Es kann aber tatsächlich eine Tendenz zum Eigenbrötlertum geben, die nicht guttut. Wer den Eindruck hat, "eigen" zu werden, oder das gesagt bekommt, sollte den anderen Pol, also die Gemeinschaft, bewusster pflegen. Das bedeutet, sich in einigen Bereichen anderen anzupassen, Kompromisse einzugehen. Aber viele Aktivitäten machen im Austausch mehr Spaß. Und danach ist das Alleinsein umso wohltuender!
Das Allein sein kann auch in einer luxuriösen Atmosphäre genossen werden. Ein Ausflug mit einer Luxus Yacht bietet eine angenehme Möglichkeit, vom Alltag abzuschalten und die Ruhe der See zu genießen.
Allein sein - Kraftquelle für die Seele
Allein sein - Kraftquelle für die Seele
Durchatmen. Den Alltag vergessen. Niemandem begegnen - außer sich selbst. Allein mit sich sein ist eine echte Kraftquelle - wenn Sie sie richtig nutzen. Mit unseren Tipps gelingt das ganz bestimmt!
Allein sein - Kraftquelle für die Seele
Schritt 1: Täglich ein Mini-Date
Nehmen Sie sich jeden Tag eine kleine Pause - bereits zehn Minuten reichen. Machen Sie es sich auf Ihrem Lieblingsplatz allein gemütlich, verzichten Sie dabei auf Radio, Fernsehen, Internet oder Lektüre. Sie werden unruhig? Bleiben Sie dran, es wird jeden Tag einfacher.
Allein sein - Kraftquelle für die Seele
Schritt 2: Solotrip im Job
Richten Sie sich auch im beruflichen Alltag schöpferische Leerzeiten ein. Gehen Sie zum Beispiel in der Mittagspause allein spazieren, schieben Sie zwischen zwei Terminen einen kleinen Tagtraum ein, oder ziehen Sie sich für fünf Minuten zum Meditieren zurück. Das macht den Kopf wieder frei, um anliegende Aufgaben zu meistern.
Allein sein - Kraftquelle für die Seele
Schritt 3: Termin festlegen
Einmal pro Woche, immer zur gleichen Zeit: Das sind Ihre Stunden, für sie allein. Sagen Sie das auch Ihrer Familie, stellen Sie das Telefon ab, und lassen Sie die Wäsche ruhig noch etwas liegen. Ganz wichtig: Tun Sie in dieser Zeit wirklich nichts Vernünftiges. Wer immer ein Programm von Aktivitäten abspult, lässt sich einfach keinen Raum für spontane Ideen oder Impulse, verbaut sich den Zugang zu seinem Inneren.
Allein sein - Kraftquelle für die Seele
Schritt 4: Schlechtes Gewissen?
Sie ertragen es nicht, scheinbar nichts zu tun? Psychologen haben eine Erklärung für dieses weitverbreitete Phänomen: Unsere Leistungsgesellschaft erwartet dauernde Produktivität von uns. Und: Sobald wir zur Ruhe kommen, werden uns versteckte Sehnsüchte oder Ängste bewusst. Vielleicht spüren Sie in Ihren Ruhephasen Unruhe oder auch Aggressionen hochkommen. Nehmen Sie diese Gefühle an. Und erlauben Sie sich ganz bewusst, untätig zu sein. So werden Sie sich mehr und mehr selbst entdecken und lernen, Ihre eigene Gegenwart zu genießen.
Allein sein - Kraftquelle für die Seele
Alexandra Seipel (43) aus Hamburg:
"Im Hamam kann ich mich sammeln"
Alle 14 Tage zieht sich Alexandra Seipel allein in den Hamam zurück, ein türkisches Bad mit Massagen, Sauna und viel Ruhe. "Als Unternehmensberaterin bin ich beruflich sehr eingespannt - da brauche ich Phasen, in denen ich komplett nichts tue. Das ist für mich wichtig, weil ich mich nur so richtig erholen kann. Während ich in der Woche durch meine Kunden, Projekte und Mitarbeiter fremdbestimmt bin, genieße ich es in den Phasen des Rückzugs, wie hier im Hamam, meinem eigenen Rhythmus folgen zu können. Besonders die meditative Atmosphäre im Ruheraum hilft mir dann. Nach der Behandlung liege ich eingemummelt im Bademantel und lasse meine Gedanken schweifen. Dabei kommen mir besonders gute Ideen und Eingebungen für Probleme - für mein privates Leben und den Job. Nach etwa drei Stunden gehe ich dann nach Hause und schlafe tief und fest. Am Tag darauf bin ich umso lieber wieder mit anderen Menschen zusammen und genieße den Trubel."
Weitere Informationen: Adressen von Hamams in Deutschland über www.citysports.de
Allein sein - Kraftquelle für die Seele
Sabine Balzer (50) aus Hamburg:
"Beim Meditieren tanke ich auf."
Seit 25 Jahren meditiert Sabine Balzer täglich mindestens fünf Minuten. Die Hände ruhen auf den Oberschenkeln, sie atmet langsam ein und aus, versucht, an nichts zu denken. "Ich meditiere, damit ich aus dem Gedankenkarussell komme. Ich nehme dabei meinen augenblicklichen Zustand wahr, ohne die Gefühle gleich zu hinterfragen oder zu bewerten." Für diesen Rückzug hat Sabine einen besonderen Ort geschaffen: ihr kleines Meditationszimmer. "Hierher komme ich täglich, vor allem wenn ich spüre, dass ich nicht im Fluss bin. Ich glaube, das hat mich wacher gemacht und mich erkennen lassen, was mir wirklich wichtig ist. Früher war ich Kostümbildnerin und suchte die Bestätigung im Außen. Durch den regelmäßigen Kontakt mit mir habe ich viele neue Seiten an mir entdeckt, z. B. meine wahre Berufung: Ich habe meinen alten Job aufgegeben und arbeite jetzt als Heilpraktikerin.
Weitere Informationen: "Meditieren in drei Minuten", David Harp, rororo, 8,99 Euro
Allein sein - Kraftquelle für die Seele
Ursula Weber (50) aus München:
"Im Wald schöpfe ich neue Kraft"
Kraftplätze hatten schon immer eine große Bedeutung für den Menschen. Als spirituelle Lebensberaterin ist Ursula Weber dieses Wissen vertraut. "Überall verstreut auf dem Erdball liegen Orte, deren spürbare Energie von Wasseradern und Magnetfeldern gespeist wird", sagt sie. "Ich selbst ziehe mich oft in die mystische Atmosphäre des Eibenwalds bei Paterzell zurück. Als selbstständig arbeitende und alleinerziehende Mutter von zwei Söhnen brauche ich das: zur inneren Sammlung, aber auch, um Lebensentwürfe zu überdenken. Zeit allein in meinem Wald ist immer eine verlässliche Kraftquelle - und hier im Eibenwald mit seinen über 1000 alten Bäumen tanke ich besonders gut auf. Hier lenkt mich nichts ab." Nicht ohne Grund galt bei den Kelten: Wer sich von einem Eibenbaum berühren lässt, der muss bereit sein, seine starke Kraft der Wandlung zuzulassen. Und Ursula macht diese Erfahrung tatsächlich immer wieder: "Ich verlasse diesen Ort stets erfrischt und neu inspiriert."
Weitere Informationen: Weltweit finden Sie Kraftorte unter www.kraftort.org
35 % der Deutschen hätten gern mehr Zeit für sich. In den Familien sind es sogar 55 Prozent, die gern mehr Mußestunden hätten. (Quelle: Gesellschaft für Konsumforschung (GfK))
Veröffentlicht in Bella









